5 Bücher über Storytelling & Experience Design

Willst du von von Content zu Wirkung wechseln oder einfach deinen Blick erweitern? Dann ist diese Liste für dich.

Irgendwann reicht “didaktisch gut aufbereitet” nicht mehr aus. Lernziele nach Bloom, sauber strukturierte Inhalte, klare Progression, genug Interaktivität… Und trotzdem bleibt bei dir das Gefühl, dass da noch etwas fehlt. Auf der Suche nach diesem „mehr” habe ich mich mit Storytelling und Experience Design beschäftigt, und über die Jahre einiges gelesen. 

In diesem Post teile ich fünf Bücher, die nicht so direkt etwas mit Lernen zu tun haben, sondern aus anderen Bereichen meine Praxis informieren und bereichern. Was alle Bücher aus meiner Sicht verbindet sind die Fragen: Was ist überhaupt eine Erfahrung? Was macht einen Moment erinnerungswürdig? Was hat das mit Lernen zu tun?

Wenn du gerade selbst in so einem Übergang steckst von Content zu Story, von Instruktion zu Wirkung, oder einfach deinen Blick erweitern willst, dann ist diese Liste für dich.

Design ist Storytelling (Lupton, 2019)

Worum geht es?

Ellen Lupton ist eine der bekanntesten Designerinnen überhaupt. Kuratorin am Smithsonian, Professorin und Autorin von einem Dutzend Bücher. Ihr Buch ist genau so, wie man es erwarten könnte: sehr visuell, kurzweilig und vollgepackt mit Impulsen. Eine gut sortierte und praktische Werkzeugkiste.

Lupton erzählt, wie das Grundprinzip “Design ist Problemlösen” irgendwann für sie nicht mehr ausreichte und sie nach mehr suchte: Design ist so in unserem täglichen Leben integriert, es fordert uns täglich zum Handeln und Fühlen auf. Design verwandelt Bedeutung und ist deshalb Storytelling.

Was mag ich besonders?

Das Buch zeigt mit vielen Beispielen, wie designte Erfahrungen immer auf mehreren Ebenen gleichzeitig wirken, ob man das beabsichtigt oder nicht. Es hat mir am Anfang eine allgemeine Designperspektive, die ich vorher nicht hatte, gegeben und einen leichten Einstieg in Themen wie Storyboarding, Emotional Journey, Gestalt-Prinzipien verschafft. Ich benutze viele der Beispiele im Buch, um in Workshops zu veranschaulichen, warum es beim guten Learning Design nicht nur ums Wissen oder Tun, sondern auch ums Fühlen geht.

Understanding Comics (McCloud , 1993)

Worum geht es?

Wer Comics mag, kommt hier auf seinen Kosten. Scott McCloud nutzt die Comicform selbst, um eine fundierte Theorie des visuell-sequenziellen Erzählens zu entwickeln. Comics sind immersiv, man vervollständigt sie aktiv. Was zwischen zwei Panels passiert, füllen wir selbst. McCloud analysiert, wie Comics mit Zeit, Raum, Perspektive und Leserbeteiligung arbeiten und warum das Medium funktioniert, obwohl es so vieles weglässt. Er nennt das „Closure”: die Arbeit, die wir leisten, um eine Lücke zu schließen.

Was mag ich besonders?

Was man weglässt, formt das Erlebnis genauso wie das, was man zeigt. Das gilt für Foliendesign, Branching Scenarios, Onboarding-Flows, interaktive Module, also, überall dort, wo du entscheidest, was du zeigst und was die Person selbst „ausfüllen” kann. Warum vertrauen Comics den Lesenden so selbstverständlich, und wir in L&D machen das so selten? 

Das Buch hat mir geholfen, das Visuelle und visuelle Narrative wirklich zu verstehen und zu sehen, wie wichtig diese Prinzipien fürs digitale Lernen sind. Ich habe dieses Buch gelesen, als ich meine erste interaktive Geschichte „Speak or Sink” gebaut habe. Man lernt, Dingen einen Flow zu geben und Raum für kognitive und emotionale Wirkung zu schaffen. Hier kann man also viel über didaktische Reduktion lernen.

Designing Experiences (Rossman & Duerden, 2019)

Worum geht es?

Das akademischste Buch auf dieser Liste und trotzdem gut lesbar. Rossman und Duerden sind beide Professoren im Bereich Experience Design und bringen Theorie und Praxis aus mehreren Disziplinen zusammen: Was ist eine Erfahrung überhaupt? Wie baut man sie auf? Was macht sie erinnerungswürdig oder transformativ? Das Buch liefert eine Menge Theorie und Frameworks, um Erfahrungen wirklich zu verstehen und zu designen. Kurse und Workshops sind Erlebnisse, die wir bewusst gestalten müssen, um echte Wirkung zu erzielen. Dieses Buch hilft dir dabei.

Was mag ich besonders?

In meiner Erfahrung setzen Stakeholder, SMEs und auch L&D-Professionals oft den Fokus auf alles, was vermittelt werden soll, und vergessen dabei, dass die Erfahrung und das Drumherum mindestens genauso wichtig ist. Das Buch ist wirklich mein Go-To für Frameworks: Experience Mapping, Micro- und Macro-Experiences, von Sequencing, Touchpoints und Transitions. Wenn ich ein Erlebnis von Grund auf aufbaue oder ein bestehendes auditiere, machen diese Kategorien sichtbar, wo ein Design stark ist und wo es auseinanderfällt.

The Power of Moments (C. & D. Heath, 2017)

Worum geht es?

Das Buch stützt sich auf psychologische Forschung, ist aber klar als populäres Sachbuch geschrieben, zugänglich und mit vielen Geschichten. Die Autoren schreiben darüber, warum wir uns an bestimmte Momente erinnern und andere vergessen. Sie identifizieren vier Elemente: Erhebung, Einsicht, Stolz und Verbindung. Die meisten Organisationen designen für Wissensvermittlung. Für alle, die Trainings, Onboarding oder Bildungsangebote gestalten, ist das eine direkte Anfrage: Was ist der Moment, an den sich jemand in sechs Monaten noch erinnert? Was hat dieser Moment mit dieser Person gemacht?

Was mag ich besonders?

Ihre Darlegung von Pit- und Peak-Momente. Wenn ich Lernerfahrungen gestalte, schaue ich: Wo erzeugt das Design unbeabsichtigt einen Tiefpunkt? Und wo liegt eine Chance für einen gestalterischen Höhepunkt? Das ist eine nützliche Ergänzung zum Journey-Mapping und emotionalen Design.

Storyworthy (Dicks, 2018)

Worum geht es?

Matthew Dicks ist mehrfacher Champion bei The Moth StorySLAM. Im Buch schreibt er, was er über das Handwerk des Erzählens in Jahren auf der Bühne gelernt hat. Es geht um persönliche Geschichten, die einen anderen Menschen wirklich berühren. Wenn du aus L&D oder Kommunikation kommst, bist du es gewohnt, Inhalte zu strukturieren. Dabei wollen wir meistens mit unseren Inhalten etwas bewegen. Dicks stellt dazu die Frage: Wo ist der Moment der Veränderung? Sein Standpunkt: Eine Story ohne Moment der Veränderung ist eine Anekdote.

Was mag ich besonders?

Seine Übung „Homework for Life” nutze ich beruflich und privat. Jeden Abend erzähle ich mit meinem Kind, was der erinnerungswürdigste Moment des Tages war. So fängt man an, mit einem Storytelling-Blick den Alltag zu beobachten. In meinem Lerndesign suche ich jetzt bewusster nach diesem Fünf-Sekunden-Moment, in dem sich etwas verändert, und überlege, wie ich ihn gestalten möchte.

+1: Immersive Storytelling for Real and Imagined Worlds (Kerrison, 2022)

Worum geht es?

Dieses Buch steht auf meiner Leseliste ganz oben. Margaret Kerrison hat unter anderem für Disney Imagineering gearbeitet. Ich verspreche mir davon Einblicke in das Spatial Storytelling – wie man Räume nutzt, um Menschen physisch in eine Erzählung einzubeziehen, ohne dass sie nur passive Zuschauer bleiben. Ich bin sicher, dass sich viele dieser Erkenntnisse auch auf digitale und hybride Räume übertragen lassen.

Die besten Ideen kommen selten aus einem einzigen Bereich selbst. Comics lehren didaktische Reduktion, Experience Design erklärt, warum ein Workshop scheitert, obwohl der Inhalt stimmt und Storytelling zeigt, was einen Moment unvergesslich macht. Deshalb ist es immer gut, über den eigenen Tellerrand zu schauen und sich von anderen Bereichen inspirieren zu lassen. Im Begriff Learning Experience Design steht das Learning an erster Stelle. In der Praxis funktioniert es andersherum: erst kommt die Erfahrung, das Learning kommt danach.

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